Das „ Notaranderkonto“: hilfreich oder unnötig?

01. 06. 2016

Der Kauf oder die Veräußerung einer Immobilie ist mit zahlreichen Fragen und einem enormen Arbeitsaufwand verbunden. Um Ihnen diesen Prozess zu erleichtern, erhalten Sie hier zukünftig fundierte Antworten, hilfreiche Tipps und wertvolle Informationen.


Da der rechtssichere Kaufvertrag die Basis für Ihre gelungene Transaktion ist, startet für Sie nun die Serie: „Was genau gehört zum Kaufvertrag?“ mit dem Thema:

 

Das „ Notaranderkonto“: hilfreich oder unnötig?


Der Verkauf einer Immobilie birgt für beide Parteien finanzielle Risiken: Als Verkäufer laufen Sie Gefahr, Ihren Besitz aus der Hand zu geben, bevor der vereinbarte Kaufpreis restlos entrichtet wird. Als Käufer hingegen gehen Sie das Wagnis ein, die Summe zu bezahlen, obwohl noch nicht erfüllte Vertragsvoraussetzungen, wie z. B. Reparaturarbeiten, ausstehen.

 

Der Ablauf


Das Konto wird vom Notar eingerichtet, der Käufer begleicht den Kaufbetrag dort zu einem mit Ihnen als Verkäufer vereinbarten Fälligkeitszeitpunkt. So wird für Sie die vollständige Zahlung zum abgemachten Termin gewährleistet.


Als Käufer stehen Sie ebenfalls auf der geschützten Seite, denn: Die vom Notar treuhänderisch verwaltete Summe kommt dem Verkäufer erst zu, wenn er die im Treuhandvertrag festgelegten Bedingungen erfüllt hat und auch alle behördlichen Formalitäten unter Dach und Fach sind.


Wann wird das Notaranderkonto gebraucht?


Früher wurde dieses Sicherheitsinstrument standardmäßig eingesetzt. 1998 änderte sich das Beurkundungsgesetz:


Seitdem erlaubt § 54a Absatz 2, Nummer 1 (BeurkG) den Geldtransfer über ein Notaranderkonto lediglich, wenn ein „berechtigtes Sicherheitsinteresse“ vorliegt. Dabei genügt es nicht, dass beide Vertragsparteien diese Art der Zahlungsabwicklung wünschen.


Ein derartiges Sicherheitsinteresse besteht z. B. bei:


  • der Kaufpreisfinanzierung über mehrere Kreditinstitute

  • einer Immobilie in der Zwangsverwaltung

  • geplanter Eigentumsübertragung vor Kaufpreiszahlung


Ist ein Notaranderkonto sachlich nicht notwendig, sieht das Gesetz die „Direktzahlung“ mit Bankbürgschaft des Käufers vor. Diese unmittelbare Abwicklung verläuft oft schnell und - durch die gesetzlichen Vorgaben sowie die Sorgfalt des Notars - ebenfalls sicher. Darüber hinaus ist sie im Vergleich zum Notaranderkonto auch mit deutlich weniger Kosten für den Käufer verbunden.


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