zum Bericht der Abendschau vom 13.03.19 zum Kauf von 1.812 Wohnungen Altglienicke durch den Senat für 250 Millionen Euro.

14. 03. 2019

Der Gedanke ein großes Kontingent von Wohnungen von Privatinvestoren zurückzukaufen (hier ein Münchner Privatinvestor) um die Mieten für die Mieter niedrig zu halten, ist zwar sozial gesehen eine schöne Idee, wirtschaftlich gesehen ein absolutes Desaster, wenn der Kaufpreis wir hier deutlich zu hoch ist.


Was war geschehen?
Seit 10 Jahren versuchte ein Münchner Eigentümer die Wohnungen im Kosmonautenviertel in Altglienicke mit Hilfe mehrerer Maklerfirmen zu verkaufen. Die Kaufpreisvorstellungen laut Exposés bewegten sich zwischen 100 und 130 Millionen (2016). Kein Makler hatte mit diesen Kaufpreisvorstellungen Erfolg.

Zusätzliche Sanierungskosten von 50 – 80 Millionen
Ein Projektentwickler, der sich mit Sanierungen von Plattenbauwohnungen auskennt (er tritt in der Reportage der Berliner Abendschau namentlich auf) berechnete nach eingehender Prüfung und Analyse die Sanierungskosten auf 50-80 Millionen Euro. Dies war für ihn der Grund vom Kauf zu zu 130 Millionen Euro Kaufpreis Abstand zu nehmen.

Die Nettokaltmieten bewegen sich bei 4,50€/m2, die Mieteinnahmen bei 6,9 Millionen Euro jährlich. Bei heutiger Marktlage ist ein Ankauf zwischen dem 20 und maximal 25 fachen einer Jahresmiete für ein Mehrfamilienhaus üblich.

Senat kauft zu völlig überhöhten Preis!
Der Senat hat aber statt dessen sogar zum 37 fachen der Jahresmieteinnahme gekauft!!! Das heißt, es dauert 37 Jahre dauern wird den Kaufpreis durch die Mieteinnahmen wieder zu refinanzieren.

Dabei sind allerdings die oben beschriebenen dringenden Sanierungen noch nicht eingepreist!


Der wirtschaftliche Ankauf von 1.812 Wohnungen für 250 Millionen Euro ist eine absolute Geldverbrennung. Wäre es ein privates wirtschaftliches Unternehmen, könnte man noch den Kopf schütteln, sich fragen was die sich dabei gedacht haben und sagen, okay ist ja ihr Geld. Würde dann festgestellt werden, dass es absolut fahrlässig, grob fahrlässig war die Wohnungen zu dem deutlich überzogenen Preis zu kaufen, weil sich ein erheblicher finanzieller Vermögenschaden dadurch ergeben hat, gäbe es Regressansprüche und ggfs. juristische Folgen für Veruntreung.

Im öffentlichen Dienst, gerade bei politischen Entscheidungen, ist das offenbar alles unerheblich. Der Bundesrechnungshof rügt in seinem jährlichen "Schwarzbuch" zurecht, Folgen bleiben aus.

Fassen wir zusammen:

Steuergelder werden sinnlos verpulvert...
Der Käufer zu diesem völlig überhöhten Preis ist die öffentliche Hand, vertreten durch eine große Wohnungsbaugesellschaft. Die Gelder sind letztendlich Steuergelder und diese werden sinnlos verpulvert.
Es besteht ein erheblicher Sanierungsrückstau (schön in der Reportage beispielhaft erklärt, undichte Fenster, marodes Leitungssystem) von Minimum 50 Millionen Euro! Und die Baukosten/Handwerkerkosten steigen weiter...
Also wieder 50 Millionen Euro Steuergelder weg.

Die Mieten "bezahlbar" zu lassen kann unter rein mathematischen und logischen Denken nicht gehalten werden.

Das Ziel die Mieten "bezahlbar" zu lassen kann unter rein mathematischen und logischen Denken nicht gehalten werden. Oder wer soll das bezahlen??? Kommunale Wohnungsverwaltung hatten wir schon einmal, was dabei herausgekommen ist, konnte man noch viele Jahre sehen (unsanierte baufällige Mehrfamilienhäuser, zu geringes Wohnungsangebot, Wohnungsnot).

Verschwiegenheitserklärung contra Steuergeldverschwendung
Die Fragen, wieso der Kaufpreis von 2016 bis heute von 130 Millionen Euro auf über 275 Millionen Euro "plötzlich" gestiegen ist und das Land Berlin für immer noch 250 Millionen Euro gekauft hat, darf gestellt werden. Sich hinter einer Verschwiegenheitserklärung (lt. Frau Lompscher) zu verstecken für öffentliche Mittel, ja Steuergelder, ist einfach nur erbärmlich, peinlich und starrsinnig.


Dass auch der Münchner Privatinvestor nach zig Jahren Sanierungsrückstau hätte investieren müssen, wurde "vergessen".
Würden sich Menschen, die sich mit der Materie auskennen und die eben keine Politiker sind (egal welche Partei) damit befassen, käme nicht solch ein Supergau heraus.


Was hätte man mit 250 Millionen Euro für den Berliner Wohnungsmarkt alles anfangen können...?
Einstellungen in den Bauämtern/Stadtplanung, finanzielle Unterstützung im WohnungsNEUbau für Wohnungsbaugesellschaften, private Investoren mit der dann erfüllbaren Auflage einen prozentualen Anteil der Wohnungen für z.B. 6,50€/m2 zu vermieten oder oder oder...
Berlin - arm (in wirtschaftlich professionellen Entscheidungen im Wohnungsmarkt) aber sexy (im Geld verbrennen).

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