Was macht eine Maklerin eigentlich so den ganzen Tag lang?

05. 05. 2016

Der Wecker klingelt kurz nach sechs, Frühstück mit der Familie – der Sohn muss zur Schule, das Übliche halt. Danach geht es erst mal an den Schreibtisch.

Um 10 Uhr habe ich einen Termin bei einem neuen Kunden, der vielleicht auswandern und sein Haus verkaufen möchte. Er ist Rentner, seine Frau bereitet in der Küche schon das Mittagessen vor und wir unterhalten uns über die Sonne im Süden, das deutsche Wetter und gucken uns das Haus vom Keller bis zum Dach an. Ich erfahre viel die Familie und die Geschichte des Hauses. Mit meinen Notizen und einigen Fotos kann ich eine Markteinschätzung vornehmen. Im Auto rufe ich kurz zwei Kunden zurück und dann geht es weiter.

Mein nächstes Ziel ist nur einige hundert Meter entfernt, aber das absolute Kontrastprogramm. Auch hier ältere Leute, Mieter in einem Plattenbau. Der Eigentümer wohnt weit weg, ich soll die Wohnung verkaufen. Die Mieter sind nett, es gibt einen Pott Kaffee für die Maklerin und eine ganze Lebensgeschichte dazu. Dann darf mir die Wohnung anschauen. Wir besprechen die aktuelle Kellerrenovierung und nach einem letzten Blick in den Hof gehe ich. Mit mir der linde Duft einer Alt-Berliner Eckkneipe von vor 20 Jahren – so rieche ich nach Zigarettenrauch – das wird wohl noch zwei Tage in der Jacke hängen. Also spaziere ich draußen ein wenig umher, schaue mir die Läden und die Busverbindungen an, ehe der einsetzende Regen mich wieder ins Auto treibt und ich ins Büro zurückfahre. Der Sohn kommt mit dem Fahrrad just um die Ecke, als ich vor unserem Haus halte. Hat er Glück, es regnet gerade mal nicht und ich bin schon da. Ihm sei schlecht und er hat Hunger. Also machen wir eine Mittagspause und bereden seinen Tag. Ich glaube er wird krank. Er legt sich mal hin und ich arbeite meine Anfragen ab und vereinbare die Termine für das Wochenende und die kommende Woche. Und schon muss ich wieder los – der nächste Termin. Ausgerechnet jetzt ein dicker Stau und nix geht mehr. Die letzen 2 km quäle ich mich hinter einem Winztransporter, der immer schön mit 35 km/h durch die schmale Straße schleicht. Natürlich habe ich gerade von dieser Kundin keine Handynummer. Ein Anruf meines Sekretariats – die Kundin fragt nach mir. Da biege ich auch schon um die Ecke und winke. In dem Moment scheint herrlich die Sonne, es fängt alles an zu grünen, die Kundin und ihr Partner sind gut gelaunt. Sie freuen sich auf die Wohnung. Die Mieterin erwartet uns schon. Die Kunden wollen darüber nachdenken, die Wohnung als Kapitalanlage zu kaufen. Mal sehen.  So richtig gefunkt hat es eigentlich nicht, denke ich. Den anschließend geplanten Termin hatte der Kunde am Morgen kurzfristig abgesagt. So kann ich also in Ruhe noch zwei „neue“ Eigentümer anrufen. Sie überlegen, zu verkaufen. Für ein Haus vereinbare ich einen Termin für die nächste Woche. Die anderen Eigentümer wohnen in Süddeutschland. Vielleicht kommen sie in zwei Wochen rauf – wir werden noch einmal telefonieren und etwas ausmachen. So nun noch einige Exposes verschicken und den „Schreibtischberg“ abtragen. Jetzt ist es schon lange Abend – morgen klingelt der Wecker wieder früh.

 





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